Kniegelenk = Weichteilchirurgie
Der primäre Schritt der Operation ist die Zubereitung des Knochens für die Aufnahme der Prothese. Zusätzlich drängt sich die Bedeutung der Behandlung der Muskeln, Sehnen und Bänder am Kniegelenk immer mehr in den Vordergrund. Dies ist der wesentliche Schlüssel zum Erfolg dieser Operation.
Was bedeutet diese so genannte weichteilige Balancierung des Kniegelenks? Sie bezieht sich auf zwei wesentliche Punkte:
Beugespalt = Streckspalt (extension gap = flexion gap)
Der Abstand zwischen Ober- und Unterschenkel sollte in Beugung und Streckung gleich sein. Dies garantiert eine gleichmäßige Spannung der Bänder und Kapselstrukturen über den gesamten Bewegungsumfang des Gelenks. Bei der späteren klinischen Untersuchung kann die Bandspannung in den verschiedenen Beugegraden gut erfasst werden.

Beugespalt = Streckspalt
Valgus - Varusstabilität
Gleiches gilt für die Einstellung der Bänder bei Valgus-/Varusbelastung. Auch hier muß eine ausgewogene Spannung erzielt werden. Das Ausmaß der Balancierung der Bänder ist von entscheidender Bedeutung.
Eine zu straffe Bandführung führt zu einer reduzierten Beweglichkeit, zu locker eingestellte Bänder zur Instabilität. Die Erfahrung zeigt, dass das erforderliche Ausmaß der im Operationssaal eingestellten Spannung auch von der Art der Erkrankung abhängt. So erfordert der ankylosierende, arthrotische Zerstörungstyp des Kniegelenks beim muskulösen Mann eine etwas lockere Einstellung des Gelenks. Beim rheumatischen Gelenk mit rezidivierenden Entzündungsschüben und gedehnten Bandverhältnissen ist eine hohe Stabilität von entscheidender Bedeutung, da der Krankheitsverlauf mit neuen Entzündungsschüben zu einer weiteren Dehnung der Bänder führen kann.
Die Rekonstruktion eines physiologischen Gelenkspiels ist der Schlüssel zum Erfolg.



