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Quantensprung in der Rheumatologie

Unter dem Begriff Rheuma verstecken sich unterschiedliche Krankheitsbilder, die nur eines gemeinsam haben, den Schmerz. Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet hier fließender, ziehender Schmerz (Rheo = ich fließe, kata = herab). Die Deutsche Rheumaliga spricht europaweit von 103 Mio. Betroffenen, darunter auch Patienten mit Rückenerkrankungen, Osteoporose und Arthrose. Mediziner zählen zu dem ganz engen rheumatischen Formenkreis vor allem den entzündlichen Gelenkrheumatismus.

Allein von einer rheumatoiden Arthritis sind 0,5 - 0,8% der Erwachsenenbevölkerung in Deutschland (bis zu ½ Mio. Personen) betroffen. Die Häufigkeit der rheumatoiden Arthritis ist bei Frauen dreimal häufiger als bei Männern. Es können alle Altersstufen beteiligt sein. Beim Mann liegt der häufigste Befall zwischen 45. und 65. während es bei den Frauen zwei verschiedene Altersstufen gibt, zwischen dem 25. und 35. und eine weitere nach dem 50. Lebensjahr. Etwa ¾ der Verläufe sind chronisch zunehmend, nur bei 10% entwickelt sich ein unaufhaltsamer Zustand der Invalidität. Nach Untersuchungen des Deutschen Rheumaforschungszentrum liegt die Erwerbsquote von Frauen und Männer mit rheumatoider Arthritis 10 - 20% unter dem Bevölkerungsdurchschnitt, etwa 1/3 der Patienten ist dauerhaft auf fremde Hilfe, rund 14% sogar auf Pflege angewiesen. Man geht heute davon aus, dass die Lebenserwartung von Patienten mit einer gesicherten seropositiven rheumatoiden Arthritis 14 bis 15 Jahre verkürzt ist. Nach den Daten der rheumatologischen Kerndokumentation im Jahr 1998 waren 44% im Lauf der vergangenen 12 Monate arbeitsunfähig mit einer mittleren Dauer von 57 Tagen. Dadurch hat die rheumatoide Arthritis auch eine immense volkswirtschaftliche ökonomische Bedeutung. Dies betrifft sowohl indirekte Kosten durch Erwerbsunfähigkeit, Arbeitsunfähigkeit etc., aber auch durch direkte Krankheitskosten.

Wichtig ist eine intensive Diagnostik um so die einzelnen rheumatischen Erkrankungen von einander abgrenzen zu können. Hiervon hängt entscheidend auch das Therapieverfahren ab.

Die Betreuung von rheumatisch Erkrankten ist eine überaus komplexe, interdisziplinäre Aufgabe. Sie verlangt eine besonders intensive und enge Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen eines Rheumazentrums. Moderne Rheumatherapie schafft bei rechtzeitigem Einsatz neue Perspektiven für den Patienten.

Therapie

Als Grundlage der Therapie steht ein interdisziplinärer Ansatz aus medikamentöser, konservativ orthopädische Therapie, operativer Behandlung als auch physiotherapeutischer und ergotherapeutischer Betreuung an.

Wichtig bei rheumatischen Erkrankungen ist eine gute Information des Patienten über die Erkrankungen, die Kenntnis über das Risiko von Gelenkschädigung und Funktionsverlusten. Hierdurch ist es möglich, dass tägliche Leben entsprechend umzustellen. Hierbei sind Selbsthilfegruppen wie die Rheumaliga sehr hilfreich.

Die medikamentöse Behandlung von rheumatischen Erkrankungen besteht in einer Kombination von Entzündungshemmern und so genannten Basistherapeutika (DMARD). Ziel der Basistherapeutika ist es, die Gelenkschäden zu stoppen oder ihren Verlauf zu verlangsamen. Der Beginn mit einer Basistherapie sollte nicht über drei Monate hinausgezögert werden. Die Wahl des richtigen Basismedikamentes hängt von vielen Faktoren ab.

Medikamente

Über viele Jahre wurden Medikamente nach einem Stufenplan eingesetzt, nach Form einer Pyramide, zunächst beginnend mit den schwächeren Medikamenten und bei mangelnder Wirksamkeit langsam steigernd. Hierdurch verging jedoch häufig lange Zeit bis eine Therapieform gefunden wurde, die die Entzündung in den Griff brachte. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass eine hohe anfängliche Therapieintensität Langzeitfolgen und damit Gelenkzerstörungen besser verhindert Hierunter fallen einerseits die Stärke und Effektivität der initial eingesetzten Medikamente. Gegebenenfalls müssen bei entsprechender Aktivität gleich mehrere potentere Basistherapeutika kombiniert werden.

Warnsignale für eine aggressive Verlaufsform der Rheumatoiden Arthritis sind: Beginn mit vielen betroffenen Gelenke, Befall großer Gelenke, hohe Entzündungsaktivität, frühzeitig Erosionen (Zeichen des Knochenangriffs) im Ultraschall.

Inzwischen gibt es neben den bekannten Basismedikamenten auch eine Gruppe moderner Rheumamedikamente, die aber alle erst bei Versagen der Standardmedikamente - vor allem aber bei fortschreitenden Verlaufsformen - eingesetzt werden. Es handelt sich hierbei um Medikamente, die direkt in das Immunsystem des Körpers eingreifen, sogenannte TNF- -Inhibitoren. Diese Medikament haben eine hohe Effektivität, einen schnellen Wirkungsbeginn. Wir wissen jedoch noch wenig über die Langzeitverträglichkeit und die weiteren Wirkungen auf das Immunsystem.

Die gesamte Therapie ist also aggressiver aber auch effektiver geworden. Die Zeiten eines "wait and see" sind vorbei.

Grundlegend bei rheumatischen Erkrankungen ist eine gute Information des Patienten über die Erkrankungen, die Kenntnis über das Risiko von Gelenkschädigung und Funktionsverlusten. Unterstützen kann man dies durch Veränderungen in der Lebensgestaltung. Entsprechende Hilfsmittel können das tägliche Leben immens erleichtern. Wichtige Hilfestellungen gibt es hier unter anderem durch Selbsthilfegruppen wie die Rheumaliga.

Kontakt
Sana Gelenk- und Rheuma-
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